Paul Josef NARDINI (1821 - 1862)
Paul Josef Nardini lebte von 1821 bis 1862. Er wurde also nur knapp 41 Jahre alt. Der Anfang seines Lebens ist ohne jede Perspektive.
Er wird am 25. Juli 1821 in Germersheim in aussichtslose Verhältnisse hineingeboren.
Seine Mutter, Margaretha Lichtenberger, lebt in einer armen Familie. Sein Vater lässt sie vor seiner Geburt im Stich. Eine Großtante nimmt sich seiner an. Sie ist mit Anton Nardini aus Vicenza in Italien verheiratet.
Von den Pflegeeltern erhält er den Namen, liebende Betreuung und Förderung.
Schon mit zwölf Jahren will Paul Josef Nardini Priester werden. Entgegen allen Aussichten geht sein Wunsch in Erfüllung. Er kann die Lateinschule in Germersheim besuchen, das Gymnasium in Speyer, die Universität in München. Immer mit besten Leistungsergebnissen.
Nach seiner theologischen Promotion "cum eminentia" wird er am 11. August 1846 in der Seminarkirche in Speyer durch Bischof Nikolaus von Weis zum Diakon und am 22. August 1846 im Dom zu Speyer zum Priester geweiht.
Nach einer kurzen Kaplanszeit in Frankenthal wirkt er dreieinhalb Jahre als Präfekt im Bischöflichen Konvikt in Speyer.
Begeistert wirbt er im Bistum für die Gründung von Piusvereinen. In diesen schließen sich erstmals Katholiken zusammen, um Einfluss auf das gesellschaftliche und politische Leben zu nehmen.
Anschließend wird er für nur ein Jahr Pfarrer in Geinsheim. Aber diese kurze Zeit genügt, um dort das gesamte kirchliche Leben zu erneuern. In einem Brief an den Bischof vom 1. März 1851, der von 122 Müttern und weiteren 170 Frauen aus Geinsheim unterzeichnet ist, schreiben diese: "Unsere Männer sind ganz umgeändert, unsere Kinder sind neu geboren, wir alle haben jetzt das rechte Licht erhalten. Ein Samenkorn ist ausgesät. Damit dieses einer himmlischen Ernte entgegen reift, bitten wir Sie, uns den bisherigen Sämann zu lassen."
Mit dreißig Jahren wird Nardini jedoch mit der Pfarrei Pirmasens betraut. Eine Diasporapfarrei mit 22 Außenstellen.
Wie das Gotteshaus ist auch das Gottesvolk vernachlässigt. Viele sind dem religiösen Leben und der Kirche entfremdet. Gleichzeitig herrscht eine große wirtschaftliche und soziale Not. Infolge mangelnder gesellschaftlicher Bedeutung und Anerkennung sind davon die Katholiken besonders stark betroffen. Alte, Kranke und Sterbende bleiben unversorgt. Viele Kinder sind sich selbst überlassen, erhalten weder Schule noch Erziehung. Oft nicht einmal das tägliche Brot.
Missernten, Hungersnöte und Epidemien machen die Not noch größer. Kurz vor dem ersten Weihnachtsfest in Pirmasens veröffentlicht Pfarrer Nardini einen Hilfeaufruf in der Zeitung: "Ich habe bei so vielen braven Familien eine Armut angetroffen, die mir in der Seele weh tut und jedes fühlende Herz zum Mitleid hinreißt und zur Hilfe auffordert. Ich könnte nie glücklich und zufrieden leben, wenn ich nicht sagen könnte, das Meinige nach möglichster Kraft zur Linderung der Armut beigetragen zu haben."
In den elf Jahren seines Wirkens in Pirmasens bis zu seinem Tod hat er über die Maßen das Seinige getan. Als begabter und begnadeter Seelsorger verlebendigt und strukturiert er die drei kirchlichen Grunddienste:
den Glaubensdienst, den Gottesdienst, den Caritasdienst.
Scharfsichtig erkennt er den inneren Zusammenhang und die gegenseitige Bedingtheit von sozialer, sittlicher und religiöser Armut und Not.
Deshalb müht er sich gleichzeitig und mit gleichem Einsatz um die pastoralen Grundaufgaben. Keine wird vernachlässigt, keine verabsolutiert. In ihnen verzehrt er sich. Er nimmt jede Gelegenheit wahr zur Glaubensverkündigung in der Kirche, im schulischen Religionsunterricht und in den neun kirchlichen Vereinen, die er gründet.
Er verschönert das Gotteshaus und die Gottesdienste. Feiertage, von denen er auch neue einführt, bekommen Glanz durch eine feierliche Liturgie. Die Feier und die Anbetung der Eucharistie ebenso wie das Bußsakrament sind ihm ein Herzensanliegen. Überzeugend stellt er den Gläubigen die Heiligen als Modelle für authentisches Christsein vor Augen. Er ist ein gefragter Prediger und gesuchter Beichtvater auch außerhalb seiner Pfarrei. Die ewige Anbetung Tag und Nacht während der Faschingstage wird zum Hauptfest der ganzen Region.
Nardini gelingt es, dass das Jahr seine innere und äußere Prägung durch das Kirchenjahr erhält.
Um den sozialen Herausforderungen gerecht zu werden, gründet er trotz vielerlei Schwierigkeiten die Schwesterngemeinschaft "Arme Franziskanerinnen von der Heiligen Familie". Er schreibt dem Bischof: "Wir wollen unsere Kongregation unter den besonderen Schutz der Heiligen Familie stellen. Sie soll selbst eine heilige Familie bilden und für die Heiligung der Familien besonders durch Kranken- und Armenpflege und durch Kindererziehung Sorge tragen... Haben wir unsere Familien regeneriert, geheiligt im Geist der Heiligen Familie, dann geht ja alles, alles gut."
Mit zwei jungen Frauen beginnt er im März 1855. Am Ende des Jahres sind es bereits 24. Nach zwei Jahren werden sie vom Bischof kirchenamtlich anerkannt.
Bei seinem Tod, sieben Jahre später, trauern um Nardini weit über 200 Schwestern und 350 Kinder in seinem so genannten "Armenkinderhaus".
Die Gesamtzahl der Nardini-Schwestern in den vergangenen 150 Jahren beträgt rund 8000. Sie arbeiteten und arbeiten vor allem im süddeutschen und südwestdeutschen Raum. Aber auch in Rumänien und in Südafrika.
Durch das seelsorgerliche Wirken Nardinis wird aus seiner Pfarrei in Pirmasens eine lebendige, eine blühende Gemeinde mit großer Ausstrahlung. Nardini, der zu Beginn auf viel Verständnislosigkeit und Ablehnung stieß, erfährt immer mehr staatliche Anerkennung und Hochschätzung von Seiten der protestantischen Christen.
Pfarrer Nardini führt ein Leben in äußerster Armut und Bedürfnislosigkeit nach dem Vorbild des heiligen Franz von Assisi, dessen drittem Orden er beigetreten war. Seine Briefe und Predigten zeugen von einem unerschütterlichen Gottvertrauen auch in schwierigsten Situationen, von Mut und vollem Einsatz, wo es um die Belange der Kirche, der Katholiken und seiner Schwesternschaft geht, von Geduld und demütiger Bescheidenheit, wenn es um ihn selbst geht.
Beständige, innige Gottverbundenheit, eine tiefe, geradezu mystische Einheit mit Jesus Christus, selbstverständliche Liebe zur Kirche und uneingeschränkte Gehorsamsbereitschaft gegenüber seinem Bischof sind wesentliche Elemente seiner Spiritualität. Diese ist die Kraftquelle für seine übermenschlichen geistlichen und geistigen, physischen und psychischen, sozialen und organisatorischen Leistungen.
Paul Josef Nardini stirbt am 27. Januar 1862, noch nicht einmal 41 Jahre alt, nach kurzer Krankheit. Beim Versehgang bei einem Sterbenden war er mit Typhus angesteckt worden.
(vorgetragen bei der Feier der Seligsprechnung)
Weitere Links: